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Ein Gastbeitrag von Katrin Schmidt
Kurz nach meiner Diagnose mit Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) im Dezember 2008 habe ich zunächst alles weggelassen, das nicht auf den ersten Blick glutenfrei war. Dabei habe ich trotzdem vermutlich viele Fehler gemacht.
Beim Einkauf achtete ich nun verstärkt auf die Lebensmittelkennzeichnung. Ist eine Wurst, auf deren Verpackung „Kann Spuren von Senf und Sellerie enthalten“ steht, auch glutenfrei? Nicht unbedingt. Denn die Kennzeichnungspflicht für „Gluten“ beginnt erst im Januar 2012. Es ist also unklar, ob der Hersteller auch Gluten gekennzeichnet hätte, nur weil er auf bestimmte Allergene achtete. Viele Nahrungsmittel enthalten Zutaten, die Nicht-Ökotrophologen nicht unbedingt verstehen. Ich war überfragt, hinter welchen lateinischen Begriffen sich Gluten oder nur harmloser Zucker und andere glutenfreie Inhaltsstoffe verbargen.
Andere Hersteller kennzeichnen fleißig jedes Produkt mit dem Zusatz „glutenfrei“, um damit zu werben. Auch wenn das Nahrungsmittel ohnehin kein Gluten enthalten kann wie zum Beispiel Obst oder Mineralwasser. Viele Kunden, die Gluten nicht kennen, gehen vermutlich davon aus, dass diese Lebensmittel besonders gesund seien, da sie etwas nicht enthalten. Dass Gluten lediglich ein Eiweiß ist, das für Menschen, die nicht an Zöliakie leiden, nicht ungesund ist, wissen nur wenige. Eine Ernährungsberatung bei meiner damaligen Krankenkasse war leider wenig aufschlussreich. Die gute Frau war nicht auf die Krankheit spezialisiert und riet mir zum Abschied, „viel Vollkornbrot für meinen Darm“ zu essen. Kopfschüttelnd verließ ich ihr Büro.
Einen wertvollen Tipp hatte mir die Ernährungsberaterin jedoch gegeben: Ich solle schnellstmöglich der Deutschen Gesellschaft für Zöliakie (DZG) beitreten. Dort fand ich eine Datenbank, in der man fast alle Lebensmittel nachschauen kann. Nach zwei Monaten der Abstinenz konnte ich also wieder Bionade trinken, die ich weggelassen hatte, weil „Gesternmalz aus garantiert biologischem Anbau“ in der Zutatenliste auftauchte. Wie groß die Menge an Gluten in dem jeweiligen Produkt ist oder ob das Gluten bei der Herstellung zerstört wurde, geht aus dem Etikett natürlich nicht hervor. Eine zusätzliche Hilfe waren mir auch die Treffen der DZG-Selbsthilfegruppe. Dort konnten Frischdiagnostizierte wertvolle Tipps bekommen: welche Eisdiele bietet glutenfreies Eis an, (wo) gibt es in Hamburg eine glutenfreie Pizzeria, etc. Auch dass Glühwein und Sojasauce sicherheitshalber gemieden werden sollten und dass Dönerfleisch Paniermehl und Pommesgewürz Gluten enthalten kann erfuhr ich von anderen Betroffenen. Nach und nach baute ich meinen Wissensstand auf.
Glutenfreie Ernährung verstehen ist fast wie das Erlernen einer neuen Sprache. Im Gegensatz zu anderen Ländern wie Italien, Spanien, Schweden, USA und England ist die Kennzeichnung und somit auch die Bekanntheit von Gluten und Zöliakie in Deutschland nicht besonders fortgeschritten. Ich freue mich deshalb auf die EU-weite Kennzeichnungspflicht ab 2012.
Weitere Erfahrungsberichte gibt es jede Woche auf: http://glutenfreiheit.org/artikel Zur Autorin: http://glutenfreiheit.org/ueber-uns
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