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| Health Claims: die Industrie läuft Sturm |
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| Written by Dipl.-Kffr. Sophie Hieke, MBR | |
| Thursday, 20 August 2009 15:34 | |
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Die Erlassung der Health-Claims-Verordnung (1924/2006/EG) Ende 2006 und ihr Inkrafttreten am 1. Juli 2007 hat einen erbitterten Kampf zwischen Industrie, Verbraucherschützern und Politik in Gang gesetzt. Ursprünglich sollte sie allen zum Vorteil gereichen: als Legitimierung seriöser Lebensmittelhersteller, als Gütesiegel und damit Orientierungsanker für Verbraucher sowie als Schutzmechanismus für den europäischen Markt. Die Realität sieht jedoch anders aus: Das Einreichungsverfahren der Herstellerangaben (claims) bei der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) ist kompliziert und den Unternehmen fehlen die nötigen Informationen über die Anforderungen. Nur wenige Aussagen über krankheitsreduzierende Effekte oder positive Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern erfüllen die geforderten Leistungsnachweise (siehe hierzu Artikel 14 der Verordnung), Anträge die auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen (siehe hierzu Artikel 13.5) wurden bislang alle abgelehnt. Auch die Anträge auf Angaben, die in einer Positivliste erlaubter Claims zusammengefasst werden sollen, wurden mehrheitlich an die EU-Mitgliedsstaaten zurückgesandt. Begründet werden diese Ablehnungen dadurch, dass Angaben zu unpräzise und zu wenig aussagekräftig seien sowie den wissenschaftlichen Kriterien nicht genügen würden.
Auf Seiten der Hersteller macht sich Empörung und Resignation breit. Herstellerverbände empfehlen bereits die Rücknahme eingereichter Anträge, da diese kostspielig und ressourcenintensiv sind. Zu den prominentesten Beispielen hierfür gehört das Unternehmen Danone Frankreich, welches drei der nach Artikel 13.5 eingereichten Anträge zu probiotischen Lebensmitteln zurückgezogen hat. "Es ist besser, die Regeln zu kennen, bevor man das Spiel spielt" lässt sich Pressesprecherin Agnès Berthet-d'Anthonay aus Paris zitieren. Weitere Unternehmen, die sich zu einem solchen Rücktritt entschlossen haben, sind der finnische Hersteller von Molkereiprodukten und Inhaltsstoffen Valio, die slowenische Molkereigesellschaft Mlekarna Celeia sowie Großkonzerne wie Unilever und Nestlé. Klageflut Juristen prophezeien eine Flut an Klagen gegen die Europäische Kommission sowie die EFSA. Folgekosten einer solchen negativen Bewertung durch die Lebensmittelbehörde können die ohnehin bis zu 5 Millionen Euro teuren wissenschaftlichen Dossiers, die für eine Antragsstellung nötig sind, bei weitem übersteigen. Neue Vertriebs- und Marketingkonzepte machen nur einen Teil der Kosten aus. Potenzielle Imageschäden können weit höhere Löcher in die finanzielle Situation der Lebensmittelhersteller reißen. Der amerikanische Hersteller für Inhaltsstoffe von Kindernahrung, Martek, hatte Ende 2008 einen Antrag bei der EFSA eingereicht, welcher jedoch mit der Begründung abgelehnt wurde, dass die aus der wissenschaftlichen Studie abgeleiteten positiven Effekte für Augen und Ohren von Neugeborenen nicht auf Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren übertragen werden könnten. Wenig später sank der Aktienkurs erheblich - amerikanischen Medienberichten zufolge soll daran neben der allgemeinen Wirtschaftskrise insbesondere das negative EFSA-Zeugnis schuld gewesen sein. Nicht zuletzt aufgrund dieser Vorkommnisse verweigert das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck jede Antwort auf Anfragen zur EFSA-Ablehnung eines Antrags auf einen Omega-3-Health Claim nach Artikel 14. Die polnische Merck-Tochter hat einen ähnlichen Antrag bereits zurückgezogen.
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| Last Updated on Friday, 25 September 2009 15:43 |


