"Gen oder nicht Gen" - neue Entwicklungen auf dem deutschen Markt für Molkereiprodukte PDF Print E-mail
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Written by Dipl.-Kffr. Sophie Hieke, MBR   
Tuesday, 12 October 2010 17:12

logo-ohne-gentechnikNach dem Vorbild der österreichischen Nachbarn wetteifern immer mehr deutsche Molkereien und Händler um das beste GVO-freie, also ohne gentechnisch veränderte Pflanzen produzierte Angebot an Milchprodukten.

 

Werden deutsche Lebensmittelregale "gen-abstinent"? Trotz steigender Zahlen bleiben Experten skeptisch.

 

Als neuestes Mitglied reihte sich jüngst Edeka Nord in die Riege der "naturbelassenen" Hersteller und Händler ein. Mit Einführung der Regional-Eigenmarke "Unsere Heimat - echt&gut" wird dem Kunden versprochen, nur noch Milch aus gentechnikfreier Produktion zu verwenden. Jörg Steffens, Geschäftsführer Einkauf und Vertrieb, ist davon überzeugt, dass diese Umstellung bei den Verbrauchern den Nerv der Zeit trifft.

Hintergrund

Schon seit Jahren machen Umweltschützer Front gegen den Einzug der Gentechnik in die Lebensmittelproduktion. Vor allem medien- und publikumswirksame Verbraucherbefragungen zeigen immer wieder eine Abneigung der Konsumenten gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel. Da bislang nur diejenigen Produkte gekennzeichnet werden mussten, die gentechnisch veränderte Zutaten enthielten, nicht aber beispielsweise Milch, Eier oder Fleisch von Tieren, die mit modifizierten Pflanzen gefüttert worden waren, sind klare Forderungen nach gentechnik-freier Ware laut geworden.

Entwicklung 

Vorreiter für die Produktion und den Verkauf gentechnik-freier Molkereiprodukte war Tirol Milch aus Österreich, die 2003 als erste kontrolliert gentechnik-freie Milch auf den Markt brachten. In Deutschland zog die Upländer Bauernmolkerei 2005 nach, gefolgt von FrieslandCampina, die ihre bekannte Marke "Landliebe" ebenfalls komplett auf gen-frei umstellten.

Neben Tegut und Lidl (Marke: "Ein gutes Stück Heimat", jedoch nicht explizit als gentechnik-frei gekennzeichnet) ist jetzt mit Edeka Nord der dritte Händler auf den Gen-freien Zug aufgesprungen. Hinzu kommt, dass sich auch immer mehr Molkereien für diesen Schritt entscheiden oder zumindest gentechnik-freie Produkte in ihr Sortiment mit aufnehmen. So hat beispielsweise die Molkerei "Milchwerke Berchtesgadener Land" nicht nur ihre 400 Bio-Bauern sondern inzwischen auch ihre über 1400 konventionellen Landwirte dazu verpflichtet, Milchvieh nur noch traditionell und nicht mehr mit gentechnisch veränderten Pflanzen zu füttern.  

Das hierfür eigens ins Leben gerufene Siegel (der Blog berichtete hierzu) hat nach anfänglichen Startschwierigkeiten des Verbandes "Lebensmittel ohne Gentechnik" seine Arbeit aufgenommen und wird nach erfolgreichen Anträgen an die jeweiligen Hersteller vergeben.

Prognose

Ein Teil der Branchenkenner erwartet, dass der Großteil der Industrie rund um Molkereiprodukte in den kommenden Jahren nachzieht, um den Anschluß an einen neu geschaffenen Markt für "gesunde und nachhaltige" Produkte nicht zu verpassen. Joghurthersteller, Babynahrungshersteller und viele weitere Sparten stehen in den Startlöchern.

Kritiker jedoch weisen auf steigende Kosten hin, die zum einen bereits in der bestehenden Produktion sichtbar werden (Futtermittel sind getrennt zu lagern, um lückenlos die gentechnik-freie Produktion nachweisen zu können), zum anderen aber auch bei einer Ausweitung auf weitere Branchen auf die Hersteller zukommen. So verursacht etwa die Herstellung gentechnik-freien Joghurts ungleich höhere Kosten als dies lediglich bei Monoprodukten wie Milch der Fall ist.

 

Welcher Richtung dieser Trend folgt, ist jedoch in großem Maß vom Verbraucher abhängig. Und die teilen sich in ein kleineres, umwelt- und naturbewusstes, sowie ein großes, preisbewusstes Segment auf. Solange also gentechnik-freie Produkte durchschnittlich teurer sind als die konventionelle Standardware, bleibt abzuwarten, welche Nachfrage hierfür tatsächlich realisierbar ist. Dass gentechnik-freie Ware zur Standardware in Deutschland wird, bezweifeln die meisten Branchenkenner. Viele Unternehmen bauen immer noch auf "Wahlfreiheit", die letztlich doch über den Preis gesteuert wird..

Fazit

Das Ziel der "gentechnik-freien Zone" ist sicherlich noch lange nicht in Sicht. Ein Ende des Trends allerdings sollte ebenfalls nicht unbedingt proklamiert werden. Entscheidend sind die Verkaufszahlen. Und die werden am Ende des Tages ja doch vom Verbraucher gesteuert.  

 

 

 

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