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| Stevia - eine Zukunft ohne Zucker? |
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| News - News (Business) | |||
| Written by Dipl.-Kffr. Sophie Hieke, MBR | |||
| Thursday, 22 April 2010 16:06 | |||
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Im Gegensatz zu vielen westlichen Konkurrenzprodukten ist Stevia ein natürliches Produkt, gewonnen aus einer staudenartigen Pflanze. Wo künstliche Süßstoffe (Aspartam (E951), Saccharin (E954) oder Sucralose(E955)) eine Grundscheu beim Verbraucher erzeugen oder gar in manchen Ländern aufgrund eventueller gesundheitlicher Risiken verboten sind (Cyclamat, (E952)), könnte ein natürliches Süßmittel das Mekka für Süßwarenhersteller bedeuten. Noch dazu, da das Kraut eine jahrhundertelange Tradition indianischer Ureinwohner zwischen Brasilien und Paraguay vorzuweisen hat. Warum sind wir noch nicht "auf Stevia"?Die Antwort liegt auf der Hand: mit dem Einzug des Super-Zuckers würde die umsatzkräftige Süßstoff-Industrie kräftig ins Schleudern geraten. Ganze Sparten der Entwicklung, Forschung, Herstellung und Vermarktung würden in die Knie gezwungen werden, da Stevia das eindeutig überlegenere Produkt wäre. Es ist zwar bekannt, dass der Zuckerersatz einen leichten Lakritzgeschmack im Nachgang aufweist, doch erste Lebensmittelkonzerne sind bereits in der Lage, dies auf ein Minimum zu reduzieren und somit einen für den Verbraucher nicht mehr von echtem Zucker zu unterscheidenden Geschmack zu erzielen. Und die Marketingstrategie für einen natürlich gewonnenen, kalorienarmen Zucker leuchtet sicherlich auch dem naivsten Verbraucher ein.
Doch was war passiert? Wie konnte ein derartiges "Wundermittel" solange geheimgehalten werden?
Bereits zu Beginn der 80er Jahre kam Stevia als Süßstoff-Ersatz in den USA auf. Eine Studie der University of Illinois, Chicago, setzte diesem möglichen Siegeszug jedoch ein jähes Ende, als Labortests an Ratten den Konsum von Steviosid mit der Entstehung eines möglicherweise krebserregenden Abbauproduktes in Verbindung brachten. Ein Verbot der Pflanze sowie ihrer natürlichen Süßstoffe folgte kurz darauf. Dass an diese Studie Unternehmen der chemischen Lebensmittelindustrie mitgewirkt hatten oder diese zumindest finanziert hatten, wurde weder bekannt noch als ergebniskritisch betrachtet.
Jetzt kommt Stevia...Gründe für die neuesten Entwicklungen in der Süßstoff- und Zuckerindustrie sind im Patentrecht zu suchen. Viele Patente auf künstliche Süßstoffe sind ausgelaufen und die Billig-Konkurrenz aus China ist groß. Mit derartig schwindenden Ertragsmöglichkeiten sehen viele Lebensmittel- und Chemiekonzerne sich gezwungen, neue Wege zu gehen. Hier bietet Stevia natürlich eine phänomenale Option. Das größte Problem liegt momentan jedoch in der Gewinnung des Süßstoffes selbst. Aufgrund des natürlichen Vorhandenseins der Pflanze ist ein Patent hierauf nicht möglich. Somit darf jeder die stevia rebaudiana anbauen und aus ihr das Steviosid gewinnen. Erneut wären die möglichen Erträge nicht genug, um als weltweiter Konzern zu überleben.
So wird momentan versucht, einen der Stevia-Süßstoffe (Rebaudiosid A) auf chemische Art zu gewinnen, um hierauf sowie auf die Methode Patente anmelden zu können. Auf diese Weise können die Pflanze selbst sowie ihre natürlichen Süßstoffe sogar gesetzlich verboten bleiben, da nur der chemisch gewonnene Zucker-Ersatz zugelassen werden muss. Eine Genehmigung durch die Europäische Lebensmittelbehörde (Efsa) ist im Gange und es wurde vor wenigen Tagen (14.04.2010) bekannt gegeben, dass das für Lebensmittelzusatzstoffe zuständige Gremium (ANS) die Sicherheit von Steviolglycosiden, d. h. aus Pflanzenblättern extrahierten Süßungsmitteln, bewertet und für deren sichere Verwendung einen Wert für die zulässige tägliche Aufnahmemenge festgelegt hat. Nun muss die Europäische Kommission "nur noch" die Zulassung zur Verwendung in der EU prüfen und genehmigen. In der Pressemitteilung heisst es:
"Toxikologische Tests haben gezeigt, dass die Substanzen weder genotoxisch noch krebserregend sind und auch keine negativen Auswirkungen auf die Fortpflanzungsorgane des Menschen oder das ungeborene Leben haben. Das Gremium hat eine zulässige tägliche Aufnahmemenge (acceptable daily intake, ADI) von 4 mg/kg Körpergewicht für Steviolglycoside festgelegt, einen Wert, der mit demjenigen des vom Gemeinsamen FAO/WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA) festgelegten in Einklang steht. Das Gremium weist jedoch darauf hin, dass dieser ADI-Wert sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern überschritten werden könnte, wenn diese Süßungsmittel in den von den Antragstellern vorgeschlagenen Höchstmengen aufgenommen werden." (Quelle: http://www.efsa.europa.eu/de/press/news/ans100414.htm)
Der flächendeckenden Vermarktung von stevia rebaudiana stehen somit nur noch "kleinere" Hindernisse bevor. Zum einen muss der neue Süßstoff offiziell zugelassen werden und zum anderen kommt es auf die richtige Vermarktung an: trotz chemischer Herstellung muss der Verbraucher das Gefühl haben, einen uralten indianischen Zuckerersatz, sozusagen direkt von Mutter Natur, zu erhalten. Zu guter letzt muss Stevia natürlich produziert werden. Aber zumindest der Agrar- und Lebensmittelgigant Cargill (u.a. Partner und Mitentwickler von Coca Cola) hat bereits Unmengen an Vertragsbauern in China angeheuert, um die Massenproduktion der Wunderpflanze anzukurbeln..
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Im Westen bislang nur Wenigen bekannt, ist ein Zuckerersatz in Asien bereits seit über drei Jahrzehnten fester Bestandteil des Süßstoffmarktes und hat in Japan mit 40% Marktanteil eine eindeutige Vormachtsstellung. Die Rede ist von stevia rebaudiana, auch bekannt als Honigkraut. Doch was ist so besonders an diesem Kraut? Die Antwort ist einfach: die aus den Blättern der Staude gewonnene Süße ist nicht nur 30mal süßer als Rohrzucker (das reine, extrahierte Steviosid ist sogar 300mal süßer), sie wird vom Körper auch kaum verarbeitet, enthält somit kaum bis gar keine Kalorien, ist für Diabetiker geeignet und besitzt obendrein auch noch eine plaquehemmende Wirkung (→ Reduzierung des Kariesrisikos).