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Kommentare , category: "News (Business)"
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| Umfragen fälschen leicht gemacht... |
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| News - News (Business) | |||
| Written by Dipl.-Kffr. Sophie Hieke | |||
| Thursday, 04 November 2010 17:14 | |||
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Nach der ursprünglichen Führung durch Horst Seehofer (CSU) übernahm dieses Amt 2008 seine Parteigenossin Ilse Aigner (somit ebenfalls CSU). Des Öfteren laut werdende Vorwürfe einer überwiegend industriefreundlichen Politik steuern unter der Regentschaft von Frau Aigner nun auf einen neuen Höhepunkt zu - die vermeintlich "verbraucherfreundliche Politik" ist so gar nicht im Sinne der Verbraucher... Und wenn Verbraucher schon befragt werden, was sie denn präferieren, dann zieht man aus den Ergebnissen nur diejenigen Absätze heraus, die in die (bereits von der Industrie abgesegnete?) politische Linie passen. Oder?
Noch mal von vorn: Im Kern geht es um die Nährwertkennzeichnung in Deutschland sowie ihren übergreifenden Einfluss auf die regulatorische Neu-Orientierung auf europäischer Ebene. Während unter der Leitung Seehofers ursprünglich sogar eine farbliche Unterlegung der Nährwertangaben angedacht war, wurde dieser Ansatz nach Schelten aus der Industrie, insbesondere vom Lobbyverband "Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde" (BLL) schnell rückgängig gemacht (siehe Pressemitteilung vom 30.05.2008). Stattdessen wurde vom Verbraucherschutzminister das so genannte 1plus4 Modell vorgestellt:
(Quelle: Internetpräsenz des BMELV)
Legitimation für dieses Nährwertkennzeichnungsmodell bezog Herr Seehofer aus einer Umfrage, die Infratest dimap im Auftrag der Regierung in den Monaten März und April 2008 durchgeführt hatte. Hieraus ergab sich eine deutliche Zustimmung der Verbraucher zu dem vom Ministerium (und der Lebensmittelindustrie) präferierten Modell. 80% der Befragten hielten das Label für informativ, verständlich und übersichtlich. Seehofers Nachfolgerin Ilse Aigner fährt seit ihrer Ernennung 2008 noch eine weit striktere Linie was die Nährwertkennzeichnung betrifft. So wurden jegliche Farben "verbannt" (siehe hierzu verschiedene Beiträge in diesem Blog), was das Aus nicht nur für die Ampelkennzeichnung sondern auch für eine farblich kodierte Form des vorgestellten 1plus4 Modells bedeutet(e). Als Legitimation hierfür diente und dient bis heute weiterhin die von Infratest dimap durchgeführte Umfrage von 2008. Doch wo liegt der Hund denn nun begraben?Bis hierhin kann man beiden Politikern allenfalls eine strenge politische Linie vorwerfen - eine für die die CSU wohlgemerkt durchaus bekannt ist. Eine echte Täuschung der Verbraucher liegt also bislang noch nicht vor. Dieses Bild ändert sich, wenn man die genannte Umfrage aus 2008 genauer unter die Lupe nimmt... Die betreffende Frage, in wieweit das Kennzeichnungssystem informativ, verständlich und übersichtlich sei und ob Verbraucher dieses bei ihrem Einkauf benutzen würden, bezieht sich gar nicht auf das 1plus4 Modell in Reinform, sondern vielmehr auf eine farblich kodierte Variante hiervon, genauer gesagt sogar eine Farbkodierung nach dem Schema der Ampelkennzeichnung: rot, gelb und grün. Noch besser ist sogar das folgende Umfrageergebnis, das Frau Aigner in ihrem Kampf um die Nährwertkennzeichnung gerne verschweigt: 55% der Verbraucher glauben, "farbliche Gestaltung würde mein Einkaufsverhalten beeinflussen". Der Wunsch nach einer Ampelkennzeichnung scheint also nicht nur einer kleinen Minderheit anzugehören. Aber sehen Sie selbst:
Auch wenn eine reine Selbsteinschätzung nicht ausreichen mag, um sicherstellen zu können, dass verbraucher-freundliche Kennzeichnungen auf Produkten erscheinen, so ist die generelle Zustimmung des Verbrauchers ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen und effektiven Kennzeichnung. Und selbst wenn hierüber Uneinigkeit bestehen mag, so dann ganz sicher nicht darüber, dass man als (informierter) Politiker keine Umfrage als Legitimation benutzen darf, die gar nicht das aussagt, was man der Öffentlichkeit darüber erzählt. Geschweige denn sollte man (sogar auf der gleichen Seite enthaltene!) Ergebnisse zurückhalten, die ganz offensichtlich dem widersprechen, was laut Meinung des Ministers/der Ministerin von Kunden gewünscht wird.
Wer sich ein genaues Bild von der Umfrage machen möchte, kann sich die graphisch dargestellte Auswertung von Infratest dimap hier ansehen. Insesondere Seite 17 und 18 sind hier interessant. Darüberhinaus gibt es hier die von der Bundesregierung selbst herausgegebene Stellungnahme zu dieser Umfrage. Die etwas eigene Interpretation der Umfrageergebnisse ist auf Seite 11 zu bewundern. FazitAlle Informationen zu diesem Blogeintrag wurden auf den Seiten des Verbraucherschutzministeriums gesammelt und sind somit der Öffentlichkeit frei zugänglich. Auch wenn jede Auslegung von Ergebnissen einen gewissen Interpretationsspielraum hat, so kann das Verbraucherschutz(?)ministerium weder leugnen, dass die vorliegende Umfrage alles andere als ein reines 1plus4 Modell favorisiert noch Freiraum in der Auslegung beanspruchen, zumindest wenn es um die angebliche Nutzlosigkeit der Ampel und ihres Farbschemas geht. Das Zitat des Tages stammt von einer Sprecherin der Ministerin: "Mann kann Umfragen ja unterschiedlich auslegen. Die Ministerin hat nichts Falsches gesagt."
Doch das hat sie. Punkt.
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Dass die Lebensmittel- und insbesondere die Nährwertkennzeichnungslandschaft in Deutschland so aussieht, wie sie es momentan tut, und dass europaweit nicht nur jegliche Farbkodierung gekippt worden ist und dafür Nährwert-Angaben in Prozenten eingeführt werden, ist zu einem sehr beträchtlichen Teil dem deutschen Ministerium für Verbraucherschutz zu verdanken.

Man könnte es auch so sehen:
So wie eine Sonnenschutzcreme nicht die Sonne, sondern vor der Sonne schützt, so schützt das Verbraucherschutzministerium nicht den Verbraucher sondern (die Lebensmittelindustrie) vor dem Verbraucher.